21.05.2012

Eritrea: Trauriger Jahrestag

Im Mai 2002 verhängte die Regierung ein Kirchenverbot - Open Doors ruft zu Gebet für Christen auf

Eritrea: Trauriger Jahrestag

Im Mai 2002 verhängte die Regierung ein Kirchenverbot - Open Doors ruft zu Gebet für Christen auf

(Open Doors) - Vor zehn Jahren setzte die Regierung von Eritrea mit einer neuen Verordnung den Startpunkt für die systematische Christenverfolgung in dem ostafrikanischen Land. Darauf weist das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors hin und ruft dazu auf, die Christen in Eritrea durch Gebet zu ermutigen und zu stärken. Unter dem Aufruf: "Nicht verschweigen – Nicht vergessen – Nicht verlassen" hat Open Doors eine Reihe von Gebetsanliegen unter www.opendoors-de.org/eritrea zusammengestellt.

Nur kontrollierte Anbetung erlaubt

Eritrea gehört auf dem Weltverfolgungsindex zu den Ländern, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt und benachteiligt werden. Aktuell belegt es Platz 11. Am 12. Mai 2002 verbot das Regime alle religiösen Aktivitäten nicht-registrierter Gemeinschaften, insbesondere evangelikaler und pfingstlerischer Gemeinden. Neun Tage später - am 21. Mai 2002 - wurden Formulare für die Registrierung beim Büro für religiöse Angelegenheiten an Kirchen ausgegeben. Doch jegliche Versuche von Gemeinden auf Anerkennung scheiterten. Erlaubt sind nur vier Konfessionen: die Eritreisch-Orthodoxe und die Katholische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche und der Islam.

Freie Gemeinden und Hauskirchen sind ebenso wie Bibelstunden und Gebetstreffen in Privathäusern illegal. Jede unkontrollierte Anbetung wird kriminalisiert. Hausdurchsuchungen und Festnahmen gehören zum bitteren Alltag für Christen, die sich dennoch treffen. Viele Christen sind bereits aus dem Land geflohen. Etwa die Hälfte der mehr als fünf Millionen Einwohner Eritreas sind Christen; überwiegend gehören sie zur orthodoxen Kirche. Die andere Hälfte ist muslimisch.

Containerhaft für Christen

Schätzungsweise 1.000 Männer und Frauen sind nach Informationen von Open Doors - basierend auf Angaben einheimischer Kirchenleiter - in Eritrea derzeit in Polizeistationen, Militärlagern oder Frachtcontainern eingesperrt. Viele sitzen seit Monaten, manche seit Jahren ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren ein. Zahlreiche Gefangene sind bereits gestorben, u.a. an Verletzungen durch Misshandlungen oder in Folge der schlechten Versorgung. Häufig wird die medizinische Behandlung verweigert. Massiv werden die Gefangenen bedrängt, schriftlich ihren Glauben an Jesus Christus zu widerrufen. Erst am Karfreitag sind 21 Christen verhaftet worden. Militärbeamte überraschten die elf Frauen und zehn Männer am 6. April, als sie im Militärausbildungslager Sawa heimlich einen Gottesdienst zum Gedenken an die Kreuzigung Jesus feierten. Den Informationen nach sind sie dort in Frachtcontainern eingesperrt.