24.05.2012

Afghanistan: Christliche Entwicklungshelfer entführt

Im Norden Afghanistans sind vier Mitarbeiter des internationalen christlich-humanitären Hilfswerks Medair entführt worden. Sie wollten Medizin in ein abgelegenes Krankenhaus bringen.

Afghanistan: Christliche Entwicklungshelfer entführt

Im Norden Afghanistans sind vier Mitarbeiter des internationalen christlich-humanitären Hilfswerks Medair entführt worden. Sie wollten Medizin in ein abgelegenes Krankenhaus bringen.

Kabul/Sanaa: Im Norden Afghanistans sind vier Mitarbeiter des internationalen christlich-humanitären Hilfswerks Medair entführt worden. Bei den Verschleppten handelt es sich Presseberichten zufolge um eine britische und eine kenianische Ärztin sowie zwei einheimische Mitarbeiter. Nach Polizeiangaben verlangen die Geiselnehmer Lösegeld in unbekannter Höhe. Die Mitarbeiter des Hilfswerks mit Hauptsitz in Ecublens (Schweiz) waren auf Reittieren in der Provinz Badachschan im Grenzgebiet zu Pakistan, China und Tadschikistan unterwegs. Sie wollten Medikamente in ein abgelegenes Krankenhaus bringen. Am 22. Mai wurden sie nach Medair-Angaben von bewaffneten Männern verschleppt. Wie das Hilfswerk am 24. Mai weiter mitteilte, arbeitet es eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um eine schnelle Freilassung der Geiseln zu bewirken. Zurzeit gebe man im Interesse einer sicheren und schnellen Lösung keine weiteren Informationen heraus. In der Provinz Badachschan fand Anfang August 2010 der Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM) ein blutiges Ende. Zehn Mitarbeiter, darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer, wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz erschossen. Im vorigen Jahr wurden in Afghanistan zwei deutsche Entwicklungshelfer ermordet: Willi Ehret (59) und Siegbert Stocker (69). Am 5. September wurden die Leichen der beiden Christen in der Provinz Parwan aufgefunden. Vermutlich wurden sie Opfer eines Raubmords.

Helfer „geleitet durch den christlichen Glauben“

Über 99 Prozent der 29 Millionen Afghanen sind Muslime. Seit 2009 gibt es keine öffentlich zugängliche Kirche mehr. Medair ist seit 1996 in Afghanistan tätig. 15 internationale und 175 einheimische Mitarbeiter engagieren sich vor allem in der Nahrungsmittelhilfe und der medizinischen Versorgung. Wie die Organisation mitteilt, setzten sich die ausländischen Mitarbeiter – „geleitet durch ihren christlichen Glauben“ – für notleidende Menschen ein. Medair ist auch in der Demokratischen Republik Kongo, Haiti, Madagaskar, Somalia, Südsudan und Simbabwe tätig. Als Internationaler Direktor amtiert der Engländer Mark Screeton; Geschäftsführer ist der Kanadier Jim Ingram. Nationale Zweige des Hilfswerks bestehen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

Schweizer Christin seit März im Jemen entführt

Im Jemen befindet sich eine Schweizer Christin bereits seit dem 13. März in der Hand von Kämpfern des Terrornetzwerks El Kaida. Für die Freilassung der 35-jährigen Lehrerin Silvia Eberhardt (Bülach/Kanton Zürich) fordern die islamischen Extremisten ein Lösegeld von umgerechnet zwölf Millionen Euro. In einem Video auf der Internetplattform YouTube bittet Eberhardt die Schweizer Regierung, „alles Nötige“ für ihre Freilassung zu tun. Sie arbeitet als Englischlehrerin in der Küstenstadt Hudaida; sie wurde nach Schabwa im Südosten des Landes verschleppt. Bis vor vier Jahren besuchte sie nach Angaben des Züricher Tages-Anzeigers eine Baptistengemeinde in Bülach und berichtete dort auch von ihren Sprachreisen in arabische Länder. Sie ist offenbar auf eigene Initiative in den Jemen gegangen.

Von deutscher Familie fehlt jede Spur

In dem Land sind mehrfach ausländische Christen entführt und auch ermordet worden. Am 18. März wurde der US-amerikanische Sprachlehrer Joel Shrum in der Stadt Tais, etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa, auf offener Straße erschossen. Die Terrorgruppe Ansar al-Scharia erklärte, das Attentat richte sich gegen eine „Evangelisierungskampagne“. Auch christliche Entwicklungshelfer aus Deutschland sind in den vergangenen Jahren Opfer von Entführungen und Ermordungen im Jemen geworden, darunter Johannes und Sabine Hentschel aus dem sächsischen Meschwitz bei Bautzen. Sie arbeiteten seit 2003 an einem staatlichen Krankenhaus in der Provinz Saada. Am 12. Juni 2009 wurden sie mit ihren drei Kindern und vier anderen Christen verschleppt. Von den Eltern und ihrem damals einjährigen Sohn Simon sowie von einem britischen Ingenieur fehlt jede Spur. Drei Opfer – zwei deutsche Krankenschwestern und eine südkoreanische Lehrerin – wurden erschossen aufgefunden. Die Töchter Lydia und Anna wurden im Mai 2010 überraschend befreit und kehrten nach Deutschland zurück. Fast alle der 24,3 Millionen Einwohner Jemens sind Muslime. Die Zahl der fast ausschließlich ausländischen Christen wird von Religionsstatistikern auf knapp 20.000 geschätzt.

[Redaktion: idea.de]